Das Kaiserliche Postamt zu Cloppenburg

Nach der Reichsgründung 1871 erlebte das Postwesen einen ungeahnten Aufschwung. Die in der Stadt vorhandenen, Räumlichkeiten, waren völlig unzureichend. Die Oberpostdirektion in Oldenburg befürwortete den geplanten Neubau; Standort sollte an der Mühlenstraße sein.

Es wurde ein Vertrag mit dem Maler Bernard Baro abgeschlossen, der den Bau nach genauen Plänen der Reichspostverwaltung errichten ließ. Den Entwurf, lieferte Postbaurat Schäffer aus Hannover.

Am 07.11.1891 fand die feierliche Inbetriebnahme statt. Das Haus wurde in der örtlichen Presse als eine Zierde der Stadt beschrieben.

Im Untergeschoß waren die Diensträume untergebracht, oben befand sich die Wohnung des Vorstehers Radusch. Eine Halle auf dem Hof, für die Postwagen, gehörte selbstverständlich dazu.  Dahinter schloss sich ein Garten für die Versorgung der Vorsteher- Familie an.

Als Anrainer der uralten Flämischen Heer- und Handelsstraße von Hamburg nach Amsterdam und weiter nach Antwerpen, wurde Cloppenburg bereits sehr früh von einer Postlinie berührt. Erste regelmäßige Verbindungen auf der Strecke gab es bereits kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg durch eine Botenpost, die bald durch eine von den Grafen von Thurn und Taxis eingerichtete Reitpost abgelöst wurde. Aber die Versorgung blieb noch lange sehr unzureichend. Von einer Briefzustellung im heutigen Sinne, konnte noch keine Rede sein.

Verlässlichere Verbindungen gab es erst in Oldenburger Zeit, also nach 1803. In Cloppenburg gründete der Postmeister Rudolf Hönemann 1809 eine Postmeisterei mit Pferderelais und Rastlokal, an der Ecke Sevelter Str./Bahnhofstraße. Der Postmeister bewirtschaftete viele Wiesenflächen, um immer ausreichende Mengen Heu für die vorzuhaltenden vierzehn Pferde einlagern zu können. Fünf Postillione und ein Hilfspostillion sorgten für den reibungslosen Verkehr von Ort zu Ort.

Ab 1853 sorgte eine Postkutsche für den Personenverkehr auf der Strecke, Cloppenburg - Friesoythe. Nach Eröffnung der Eisenbahnlinie Cloppenburg-Friesoythe-Ocholt wurde sie eingestellt. Die Kutsche machte ihre letzte Fahrt, mit Girlanden geschmückt und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, kutschiert vom Friesoyther Postillion Hermann von Garrel, am 30.09.1906.

Der Bau der Eisenbahn 1875 ließ einen wirtschaftlich lohnenden Betrieb der Posthalterei nicht mehr zu. Nächster Schritt, und hier schließt sich der Kreis, war der Bau des Kaiserlichen Postamtes.

Ein weiteres Kapitel Postgeschichte begann 1951 mit dem Bau des heutigen Postamtes an der Bahnhofstraße.

Text: H. Warmhold/Archiv Stadtgeschichte – 16.08.2023
Foto: Postgeschichtliches Museum Friesoythe